|
Wenn er wegsah und wir „Ede“ riefen, schaute er sofort zu uns herüber. Riefen wir irgendein anderes Wort beachtete er es nicht. Als sich einmal ein Rudel Löwen näherte warnte er uns durch lautes Kläffen und unruhiges Hin- und Herlaufen. Wir bemerken die Löwen erst viel später.
Am letzten Tag, als wir die Stühle, den Tisch und die Wasserkanister verstauten, die wir sonst immer stehen gelassen hatten, beobachtete er uns nicht liegend, dieses Mal stand er. Wir hatten das Gefühl Ede wusste, dass die Trennung bevorstand.
Wir gaben ihm unser letztes Brot. Er trank sogar das keimfreie Wasser. Ede lief nicht hinter uns her. Er trottete querab in die kahle Lehmpfanne. Alle paar Meter blieb er stehen und schaute zu uns herüber. Die Piste verlief neben der Pfanne. Immer kleiner werdend konnten wir ihn sehen. Einmal riefen wir noch nach ihm. Er hielt sofort an, schaute länger zu uns herüber. Wir hatten den Eindruck er schüttelte den Kopf. Dann verschwand er ohne sich noch einmal umzudrehen im hohen Gras am Rand der Pfanne.
Good by, Ede. Vielleicht sehen wir uns, im nächsten oder übernächsten Jahr.
Kurzinformation - Khutse Game Reservat Khutse, in der Sprache der San (Buschmänner) bedeutet dieses Wort – wo du niederknien musst um zu trinken-. Khutse ist ca. 2600 qkm groß und gehört zur Central Kalahari Game Reserve dem größten Wildschutzgebiet der Welt. Dieses Gebiet in Zentralbotswana hat ungefähr die doppelte Größe von Holland und Belgien.
Das Reservat wurde ursprünglich zum Schutz der letzten noch frei lebenden Buschmänner geplant. Heute werden es vielleicht noch einhundert Buschmänner sein, die wie seit Jahrhunderten durch die Halbwüste der Kalahari ziehen, als Jäger und Sammler. In dieser Region gibt es keinen Fluß oder See, kein fließendes Wasser, keine Elektrizität, kein Telefon, keine festen Gebäude und keine Strassen, Werkstätten oder Tankstellen. Dort gibt es die unendliche Weite und Stille der Kalahari, einer einzigartigen unberührten Natur mit einer faszinierenden Tierwelt. Eine Reise in die Kalahari ist auch heute noch eine Expedition und sollte nur mit zwei 4x4 Fahrzeugen erfolgen.
Teilnehmer: Roland Schneider, Sigurd Treske Autor: Sigurd Treske
|